Trends

Wohin geht die Reise?

03.04.2025

Die ITB in Berlin hat es gezeigt: Die Nachfrage boomt, aber auch die Erwartungen steigen. Künstliche Intelligenz, maßgeschneiderte Angebote und Nachhaltigkeit – wer in der Branche erfolgreich sein will, muss jetzt handeln. Wir haben die zehn entscheidenden Trends für 2025 zusammengefasst.

Trend 1: Reiselust verzeichnet Rekord

Die Branche zeigt sich auf der ITB optimistisch: Laut Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) könnte die Zahl der Reisen 2025 das Niveau vor der Corona-Krise von 71 Millionen etwas übertreffen. Die beliebtesten Reiseziele sind laut neuester Umfrage Spanien, die USA, Deutschland, Frankreich, Italien, Mexiko, die Türkei, Großbritannien – und erfreulicherweise Österreich. Ähnlich sind die Ergebnisse der jüngsten Studien der Marktforschungsunternehmen Phocuswright und Euromonitor. Das Wachstum werde in den kommenden Jahren anhalten, sich aber verlangsamen. „Bis 2027 erwarten wir ein jährliches Bruttobuchungsvolumen von zwei Billionen US-Dollar“, so Mitra Sorrells von Phocuswright.

Trend 2: Österreich-Urlaubsvolumen wächst

Die Österreich Werbung präsentierte auf der ITB die neue Studie der „Deutschen Reiseanalyse“, die das Urlaubsreiseverhalten der deutschsprachigen Bevölkerung erfasst. Die Ergebnisse für den österreichischen Tourismus sind erfreulich: 2024 stieg das Volumen der Urlaubsreisen (5 Tage und mehr) nach Österreich um 16 % auf 2,93 Millionen Reisen. Auch bei Kurzreisen (Reisen mit 2 bis 4 Tagen) konnte Österreich seine Spitzenposition behaupten. „Die aktuellen Zahlen bestätigen die starke Anziehungskraft Österreichs als Reiseziel für deutsche Urlauber:innen“, so Astrid Steharnig-Staudinger, CEO der Österreich Werbung.

Trend 3: Kulinarik beeinflusst Destinationswahl

Ein Fokus der Österreich Werbung lag auf der neuen Kulinarikstudie, die den Stellenwert der Kulinarik beim Reisen nach Österreich zeigt. Das Ergebnis: 45 % der Deutschen und 48 % der Österreicher:innen berücksichtigen das kulinarische Angebot bei der Wahl ihrer Urlaubsdestination. „Kulinarik ist ein Erlebnis und beeinflusst die Urlaubsentscheidung“, erklärt Astrid Steharnig-Staudinger. „Deshalb setzen wir in der weltweiten Bewerbung des Urlaubslandes Österreich verstärkt auf Kulinarik als Schlüsselthema.“

Elisabeth Zehetner, neue Staatssekretärin für Tourismus, und Astrid Steharnig-Staudinger, Geschäftsführerin der ÖW auf der ITB. (c) ÖW / Sascha Radke
Elisabeth Zehetner, neue Staatssekretärin für Tourismus, und Astrid Steharnig-Staudinger, Geschäftsführerin der ÖW auf der ITB. (c) ÖW / Sascha Radke

Trend 4: Künstliche Intelligenz

Eines der wichtigsten Themen auf der ITB 2025 kam nicht überraschend: Künstliche Intelligenz beschäftigt die Branche seit Jahren. Heuer geht der Boom weiter. Laut dem US-Reiseanalyst Phocuswright wollen bereits 50 Prozent der Reisenden KI zur Urlaubsplanung nutzen. „KI ist das Dauerbrenner-Thema. Aber es geht auch darum, Synergien unter den Tech-Anbietern zu schaffen und das richtige System für das Problem, das man lösen möchte, zu finden“, so Nadja Dahlmann, Senior Client Service Director bei myhotelshop.

Trend 5: Bots als Mitarbeiter?

Einen interessanten Blick auf KI wirft Olga Heuser, Co-Founder und CEO von DialogShift: „Spannend ist die Weiterentwicklung von KI – etwa agentische KI, die schon etwas mehr kann – zum Beispiel Aufgaben abarbeiten, Systeme bedienen. Ich glaube, dass diese Weiterentwicklungen die technische Hotellandschaft nachhaltig verändern werden.“ Ein Tool, das immer mehr zum Einsatz kommt, sind Telefonbots. „Ich habe letztens von einem Fall gehört, bei dem wegen akuten Personalmangels 30 Prozent der Anrufe verloren gehen. In einem solchen Fall wäre der Einsatz eines Telefonbots mehr als sinnvoll“, so Heuser. Nadja Dahlmann, Senior Client Service Director bei myhotelshop, bestärkt dies: „Gerade mit Blick auf den Fachkräftemangel könnten die Bots echte Abhilfe schaffen.“ Der Vorteil: Hotels sind immer erreichbar. Der Nachteil: Der direkte Kontakt zum Gast geht verloren.

Trend 6: Nachhaltigkeit mit Einschränkungen

Der Trend zu Nachhaltigkeit bleibt bestehen, allerdings mit Grenzen. Laut einer neuen Umfrage des Reisetechnologieunternehmens Sabre wird Nachhaltigkeit zwar von 90 % der Befragten als wichtig erachtet, jedoch nur, wenn sie nicht mit höheren Kosten verbunden ist. Das Fazit von Scott Wilson, President von Sabre Hospitality: Nachhaltigkeit funktioniert am besten, wenn sie nahtlos in das Reiseerlebnis integriert ist, anstatt als zusätzliche Entscheidung präsentiert zu werden. Der Tourismusforscher Martin Lohmann wiederum rät, nicht auf Zielgruppen zu setzen sondern auf alle: „Hier passiert aus meiner Sicht noch zu wenig bei den Reiseanbietern: Sie müssten nachhaltige Produkte nicht nur an diejenigen verkaufen, die sich dafür interessieren, sondern auch an die, denen das Thema egal ist.“

Trend 7: Differenzierung des Angebotes

2025 geht der Trend hin zum maßgeschneiderten Angebot. Das hat zur Folge, dass Anbieter passgenau liefern müssen und das, was sie dem Kunden bieten, noch mehr differenzieren und im Einzelnen verkaufen müssen. Tourismusforscher Martin Lohmann erklärt: „Urlauber suchen nach Angeboten, die ganz genau auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind. Zum Beispiel nicht mehr nur für Familien allgemein, sondern für Familien mit kleinen Kindern, Familien mit noch kleineren Kindern oder Familien mit Säuglingen.“

Trend 8: Generation Z

Eine neue Zielgruppe steht in den Startlöchern: Die Gen Z (geboren ab 1995) wird erwachsen und ab 2025 mehr als ein Viertel der weltweiten Erwerbsbevölkerung ausmachen. Das wird die Reisebranche nachhaltig verändern. Denn die Erwartungen der Gen Z sind völlig anders als die von früherer Generationen: Im Fokus der jungen Generation stehen Flexibilität, Nachhaltigkeit und sinnstiftende Erlebnisse beim Reisen.

Trend 9: Bleisure Travel & Jetset Hacking

Auch Geschäftsreisen könnten sich zukünftig wegen der Ansprüche der Gen Z verändern. Ein Schlagwort bleibt „Bleisure Travel“. Das Hybridwort aus den Begriffen „Business“ (Geschäft) und „Leisure“ (Freizeit) meint das Bedürfnis, berufliche Verpflichtung mit persönlichen Erlebnissen zu verbinden. Unternehmen können darauf eingehen, indem sie hybride Arbeitsmodelle fördern und die Möglichkeit bieten, Geschäftsreisen mit Freizeitaktivitäten zu verbinden. In eine ähnliche Richtung geht „Jetset Hacking“, bei dem Wohlbefinden und Nachhaltigkeit in den Fokus rücken und den hektischen Arbeitsalltag vieler Geschäftsreisenden abmildern sollen. Deshalb setzen immer mehr Unternehmen auf Initiativen, die ihre Mitarbeitenden auf Reisen gesund und leistungsfähig halten.

Trend 10: Social Media als Reisebüro

Social-Media-Inhalte werden in der Reisebranche immer wichtiger. In Europa seien Facebook und Instagram die meistgenutzten Plattformen, doch auch Angebote wie Reddit und YouTube würden zunehmend für die Reisevorbereitung eingesetzt, so Mitra Sorrells von Phocuswright. „In den USA hat YouTube bereits mit Facebook und Instagram gleichgezogen!“ Daraus ergeben sich ganz neue Möglichkeiten für Anbieter, diese Plattformen für ihr Marketing zu nutzen.

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